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Alternative Behandlungsarten Druckversion
Wenn ein Pferd Schmerzen hat, gibt es viele Behandlungsarten. Die Methoden können übergeordnet in zwei Gruppen eingeteilt werden: die traditionellen und die sogenannten alternativen oder komplementären Methoden. Die traditionellen Methoden (Schulmedizin) sind die, in denen Tierärzte während des Studiums an der Tierärztlichen Hochschule ausgebildet werden und von denen sie Gebrauch machen, mit verschiedenen Medikamenten, die oft rezeptpflichtig sind oder nur vom Tierarzt verwendet werden dürfen.
Viele Menschen finden nicht, dass ihnen oder ihren Pferden durch das traditionelle System mit ihren Erkrankungen geholfen wird, weshalb sie alternative Methoden suchen. Da Ärzte/ Tierärzte diese Methoden nicht so oft anbieten, haben sich viele Laien (Personen ohne ärztliche/tierärztliche Ausbildung) ausgebildet und bieten diese Behandlungsmethoden an. Natürlich gibt es darunter gut ausgebildete Personen, aber leider gibt es auch Personen, die den Patienten überhaupt nicht helfen - leider vielleicht im Gegenteil. Meine Begründung, dies zu schreiben, ist die, dass wir in unserer Klinik neulich ein Pferd untersuchten, das seit 11 Monaten stark lahmte. Der Pferdebesitzer hatte am Anfang den Tierarzt konsultiert, aber da dieser das Problem in einem Besuch nicht lösen konnte (was nicht immer möglich ist), hat sich der Pferdebesitzer an eine Person gewendet, die Pferde durch Chiropraktik behandelt. Diese Person fand, dass das Schultergelenk des Pferdes manipuliert werden musste, was sie vielmals gemacht hat, ohne eine Besserung für das Pferd. Bei unserer Untersuchung ging das Pferd sehr schlecht; es zeigte sich, dass die Schmerzen vom hinteren Teil des Hufes, vom Strahlbein, stammten. Auf dem Röntgenbild zeigten sich große Veränderungen im Knochen und das Pferd wurde deshalb am selben Tag eingeschläfert. Die Obduktion zeigte ein Loch im Knochen und der Knorpel war in einem Teil des Hufes völlig verschwunden; dies bedeutet, dass das Pferd seit LANGER Zeit GROßE Schmerzen gehabt hatte. In solch einem Fall hätte der Therapeut den Patienten ohne eine ordentliche Diagnose nicht behandeln sollen, und besonders nicht so lange Zeit. Es ist aber völlig die Verantwortung des Pferdebesitzers, nochmals den Tierarzt zu rufen, wenn die erste Behandlung nicht gewirkt hat, und nicht blindes Vertrauen in einen Therapeuten zu haben, der dem Pferd seit so langer Zeit nicht helfen konnte. Wird das Pferd krank, „funktioniert“ es beim Reiten nicht, lahmt es oder bekommt es Rückenschmerzen, muss man - bevor man einen alternativen Behandler ruft - den Tierarzt kontaktieren, so dass eine richtige Diagnose gestellt werden kann, denn die Diagnose ist die Grundlage für eine korrekte Behandlung. Diese Behandlung kann zur Gruppe der alternativen Methoden gehören und z.B. Akupunktur und Chiropraktik/Osteopathie sein. Ich finde es wichtig, gegenüber verschiedenen Behandlungsmethoden - unabhängig von der Ursache - offen zu sein; das Wichtigste ist es, erst möglichst nah an die Diagnose zu kommen und danach Behandlungsmethoden zu wählen, die auch eine Kombination traditioneller und alternativer Methoden sein können. Einem Pferd mit Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen in einem Bein, was zu Lahmheiten führt, kann z.B. am besten durch traditionelle Gelenkbehandlung in Kombination mit Akupunktur und Chiropraktik/Osteopathie des Rückens geholfen werden.
Im folgenden werde ich etwas über Akupunktur und Chiropraktik/Osteopathie erklären. Akupunktur Es ist auch faszinierend, dass die Chinesen vor so langer Zeit im Stande waren, die Erkrankungen sehr detailliert zu beschreiben, nur durch Verwendung ihrer Sinne: Erkrankungen, die von der westlichen Welt erst im letzten Jahrhundert - mit Hilfe von Apparaten und Maschinen der ganzen Welt - beschrieben worden sind. Die Chinesen haben es auch zu einem Zeitpunkt gemacht, wo wir noch einander mit dem Klöppel auf den Kopf geschlagen und die Frauen an den Haaren abgeschleppt haben. Wenn die Ärzte und Tierärzte das chinesische Krankheitsverständnis als Ganzes betrachten würden, würden sie beim Diagnostizieren sehr viel besser werden und damit auch dem Patienten mehr helfen. Die westliche Erklärung Ein Teil der Wirkung der Akupunktur ist dadurch bewiesen worden, Blutproben vor und nach der Stimulation der Akupunkturpunkte zu nehmen und eine Steigerung der Anzahl von verschiedenen Stoffen nachzuweisen. Diese Stoffe sind z.B. Endorphin, Cortisol, die Anzahl von weißen Blutkörperchen (d.h. eine Stärkung der Immunabwehr), und Hormone, welche die Bildung von Eiern und die Ovulation bei Frauen beeinflussen. Bei der Thermographie (die Messung der Wärme, die die Haut ausstrahlt) wird auch eine sehr deutlich gesteigerte Durchblutung der Haut gesehen. Auch das parasympathische Nervensystem des Patienten wird aktiviert, wobei sich der Körper entspannt und sich besser wieder aufbauen kann. Akupunktur kann auch Schmerzsignale von einem Bereich bremsen, so dass die Signale nur die Wirbelsäule erreichen aber nicht ins Gehirn gelangen, d.h., dass ein örtlich betäubender Effekt erreicht wird, der als die "Pain Gate"-Funktion bezeichnet wird. Dies ist in China bei größeren Operationen deutlich nachgewiesen worden, bei denen der Patient nur durch Nadeln betäubt wird. Dies war das erste, das die westliche Welt von den Vorzügen der Akupunktur überzeugte. Die chinesische Philosophie
Auf diese Weise gehören zu jedem Meridian ein oder mehrere Organe, Organfunktionen und seelische Zustände; die Meridiane sind in einem System von den "fünf Elementen", den Wandlungsphasen (Erde, Metall, Wasser, Holz und Feuer) oder fünf Gruppen eingeordnet. Jedes Element ist von den anderen vier abhängig, um optimal funktionieren zu können. Alle Charakterzüge, Symptome und Streßfaktoren können einem der Elemente eingeordnet werden; dadurch wird der Zusammenhang überschaubar und die ursprüngliche Krankheitsursache ist einfacher zu finden. Die Chinesen finden, dass es durch den Körper eine konstante Energieströmung in den Meridianen von einem in den anderen nach einem bestimmten System gibt. Für jedes Organ gibt es zwei Stunden im Laufe von 24 Stunden, wo das Organ am aktivsten ist, und in diesem Zeitraum (die zwei Stunden) werden die Symptome am deutlichsten sein, wenn es ein Problem gibt. Der Lungenmeridian ist z.B. zwischen 3 und 5 Uhr Morgens am aktivsten. Beachte z.B. zu welchem Zeitpunkt man aufwacht und hustet, wenn man eine Atemwegsinfektion hat, oder wann man aufwacht und schwitzt, wenn man großen Stress hat oder depressiv ist. Erkrankungen können entstehen, wenn es in der Energie in den Meridianen ein Ungleichgewicht gibt, d.h. dass es entweder zu wenig oder zu viel Energie oder eine Stagnation der Energie in einem oder mehreren Meridianen gibt.
Akupunktur ist gegen sehr viele Arten von Krankheiten wirksam, obwohl es natürlich Krankheiten gibt, wo die westliche Medizin entweder schneller oder besser wirkt, z.B. Schmerzmittel, das direkt in das Blut gespritzt wird. Wenn ein Pferd eine Kolik bekommt, verwende ich immer die westliche Medizin zuerst, aber ab und zu verwende ich die Nadeln zur gleichen Zeit, um das Darmsystem zu stimulieren. Genau wie alle anderen Behandlungsarten kann Akupunktur Krankheiten mit deutlichen Veränderungen an den Organen und an den Knochen nicht heilen. Bei Muskelschmerzen und schlechter Blutzirkulation gibt es meiner Meinung nach keine bessere Behandlung als die Akupunktur. Es gibt viele Behandlungsversuche von chronischen Atemwegserkrankungen mit guten Ergebnissen; 10-20 Behandlungen sind aber notwendig. Schlechte Fruchtbarkeit und andere Erkrankungen der Geschlechtsorgane können auch mit gutem Ergebnis sowohl bei der Stute als auch beim Hengst durch Nadeln behandelt werden. Akupunktur ist auch dazu gut, andere innere Organe zu stimulieren, vorausgesetzt sie sind nicht bleibend beschädigt. Das Problem bei Pferden ist, dass solche Krankheiten oft zu spät entdeckt werden. In Dänemark ist es nur Tierärzten erlaubt, Tiere durch Nadel-Akupunktur zu behandeln. Alle Menschen dürfen ihre Tiere durch Akupressur, d.h. Druck auf den Akupunkturpunkten, behandeln. Manipulation Jedes Gelenk hat eine gewisse Beweglichkeit; diese kann dadurch vergrößert werden, dass Belastung auf das Gelenk ausgeübt wird, bis die physiologische Barriere erreicht wird. Wird hiernach mehr Belastung auf das Gelenk ausgeübt, kann sich das Gelenk falsch festsetzen und sich nicht wieder normal bewegen, weil sich die Muskeln stark zusammenziehen und vom Nervensystem nicht Bescheid bekommen, sich wieder zu entspannen. Wird weitere Belastung auf das Gelenk ausgeübt, verrenkt es sich; dies ist eine andere und weit ernstere Sache. Wenn sich ein Gelenk falsch festsetzt, kann zu große Beweglichkeit in den benachbarten Wirbeln entstehen, um die falsch festgesetzten Gelenke zu kompensieren. Dies führt umfangreiche Muskelverspannungen mit sich und das Problem kann sich verbreiten und immer größer werden. Auch kommt es zu Irritationen der Nerven, die vom Rückenmark zwischen den Wirbeln austreten. Dies kann Schmerzen mit sich führen, aber die Nerven können auch zu wenig oder zu viel stimuliert werden. Dies beeinflußt leicht die Blutgefäße, die in akuten Fällen eine erhöhte Blutdurchströmung haben, aber in länger dauernden Fällen zum Zusammenziehen der Blutgefäße und dadurch zu geringerer Blutdurchströmung führen. Dadurch wird die Blutversorgung der Muskeln und dadurch ihre Funktion beeinflusst. Gelenkverbindungen im Hals und in der Wirbelsäule sind besonders exponiert, aber auch das Kiefergelenk, der oberste Steißwirbel, das proximale Sesambein und das Zungenbein können sich in falschen Positionen festsetzen, so dass die Beweglichkeit gemindert wird und das Pferd Schmerzen bekommt.
Bei der Manipulation werden die gespannten Muskeln gestreckt, so dass sie zum normalen Spannungsgrad zurückkehren und es dadurch den Gelenken erlauben, ihre normale Position wieder einzunehmen. Manipulation darf nicht in voller Narkose gemacht werden. Versuche bei Menschen haben gezeigt, dass sie dann nicht wirkt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die natürlichen Reflexe, die durch die Manipulation stimuliert werden, während der Narkose außer Kraft gesetzt sind. Darüber hinaus ist es unmöglich, die physiologischen Barrieren der Gelenke zu merken, und es kann dem Patienten Schaden zugefügt werden. Dazu kommt ein Risiko, dass das Pferd sich beim Fallen verletzt oder dass es taumelt, wenn es wieder aufsteht. Wird die Manipulation falsch gemacht, kann dem Pferd Schaden zugefügt werden, weshalb der Manipulationstherapeut ausgebildet sein muss. Wenn ein Pferd mit Chiropraktik oder Osteopathie behandelt wird, kann es in den danach folgenden zwei bis vier Tagen noch leichte Schmerzen haben, weil es anfängt, einige Muskeln ganz anders zu bewegen. Deshalb darf das Pferd nicht geritten werden, aber es darf sich gern ohne Reiter bewegen. Rikke Schultz Pferdeklinik Hørsholm |
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